Garuda

Jörg Wiele

Kinetische Plastiken

 

Gedanken zum Garuda

Die Vorgeschichte
Im Rahmen einer Ausstellung von Jörg Wiele im Park und am Gebäude des Stadtmuseums in Düsseldorf von 1997 -1998 war das windbewegte Kunstwerk " Vier goldene Schwingen" zu sehen. Installiert war dieses an der Vorderfront des Neubaus auf einem blauen Stahlträger. Mitglieder des Bürgervereins Heerdt e. V. wurden auf das Werk des Künstlers aufmerksam und baten den Künstler um ein entsprechendes Konzept für den Nikolaus-Knopp-Platz. Aufbauend auf der Plastik "Vier goldene Schwingen" erweiterte der Künstler sein Werk zur figurativen kine tischen Plastik "Garuda". Planungsprozess, Finanzierung, bauliche Ausführung und Aufstellung nahmen dabei insgesamt vier Jahre in Anspruch.

Das Werk und sein Platz
Zentral auf dem Nikolaus-Knopp-Platz, zwischen zwei großen Platanen auf einer winkelig eingefassten Rasenfläche, hat Jörg Wieles neue kinetische Plastik seinen Platz gefunden. Ein fest verankerter Basaltsockel mit einem aufgesetzten Kupferkonus trägt fünf bewegliche Metallhohlformen. Der untere, größere Körper ist in seiner Formgebung bauchig voluminös, gestreckt dynamisch und hält die vier aufliegenden, filigranen Schwingen in Windrichtung, gibt der Beweglichkeit Ordnung und Halt. Die fünf fein austarierten Kunstformen schweben und gleiten, von Windströmungen angetrieben, in versetzten Achsrichtungen durch den Raum. Die Körper liegen über Achsverbindungen aufeinander und kreisen im labilen Gleichgewicht horizontal bis diagonal im unendlichen Bewegungsspiel mit den Kräften der Natur durch die Luft. Natur und Technik will der Künlster hier verbinden, um die Gesamtatmosphäre des Platzes zu harmonisieren. Ein zehn Meter von Standort der Kinetik entfernter Strommast der Straßenbahn wurde vergoldet und dadurch das Kunstwerk in den Raum hinaus erweitert. Für den Straßenverkehr entsteht dadurch eine Torsituation. Die Menschen fahren gleichsam durch das Kunstwerk.

Der Hintergrund: Mythos, Energie, Dualität
Der "Garuda" – ein Vogelwesen in Adler-Mensch-Gestalt mit großen roten Flügeln und einem goldenen Körper - stellt in der alten hinduistischen Kultur den mythologischen Reitvogel des Gottes Vishnu dar. Er ist der Vermittler zwischen Himmel und Erde und den verschiedenen Daseinsebenen. In der buddhistischen Tradition wird der "Garuda" als Beschützer und Negativvernichter gesehen. Zu dem Themenkomplex "Garuda" gestaltete Jörg Wiele bereits über mehrere Jahre hinweg kinetische Plastiken, die verschiedenen Entwicklungsstufen, Größen und Formvarianten zum Ausdruck bringen. Wieles Plastik ist ein dualistisches Sinnbild für die Verbindung von Himmel und Erde, ein poetisches Bindeglied zwischen Natur und Technik, ein Symbol für den Fluss des Lebens. Sie ist weisendes Bindeglied zwischen Himmel und Erde, ist eine Art Fingerzeig in den Umraum und in die universelle, spirituelle Weite: Raum – Bewegung – Stille.

Und sie ist ein positives, energetisches Symbol, das raumbestimmend und gleichzeitig raumbildend die Platzatmosphäre neu akzentuiert. In der Transparenz und Offenheit der beweglichen Arbeit verbinden sich skulpturale und kommunikative Elemente auf überzeugende Weise.

Der zehn Meter entfernte, vom Künstler vergoldete Mast hält durch den Stromfluss der Oberleitungen die energetische Verbindung in alle Welt. Im Gedränge des Verkehrs, in der Eile der Menschen, steht an seinem festen Standort die schwebende, windbewegte Plastik und dirigiert ruhig und gelassen den Fluss des Lebens. Das von den Naturelementen bewegte Kunstwerk lädt die Menschen ein zur Betrachtung und zum Innehalten, ein Angebot zur Ruhe in dieser flirrenden Welt. Die Oberflächen der bewegten Kinetik werden mit den Jahren Veränderungen der Materialien durch Oxidation ins Dunkle und Türkise zeigen, dagegen bleiben die kontrastreich lichtreflektierenden Goldflächen bestehen. Die Formteile des "Garuda" sind zur einen Seite hin vergoldet, die zweite Seite dunkelt mit der Zeit ab. Eine helle und eine dunkle Seite, die sich in der Bewegung vermischen und neu ordnen. Auch hier findet also ein Kräftespiel der Dualitäten statt.

Die technische Beschreibung
Das Kunstwerk steht auf einem 3,8 Meter hohem Sockel aus Vulkanbasalt. Die fünf einzelnen Formteile haben Größen zwischen vier und fünf Metern mit einem Gesamtgewicht von etwa 350 Kilogramm und bestehen aus folgenden Materialien: Stahl, Kupfer, Messing, Blei, Kugellager und Blattgold. Die Gesamthöhe liegt in der Bewegung bei etwa 7 Metern und der horizontale Bewegungsdurchmesser beträgt etwa 8 Meter.